Ökumene-Ostangeln - das WIR verbindet Kappelner Konfessionen
Zur Zeit arbeiten in der Ökumene-Ostangeln mit:
Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Christophorus Ostangeln
Die Katholische Kirchengemeinde St, Marien in Kappeln
Die Gemeinschaft in der Evangelischen Kirche Süderbrarup
Die Neuapostolische Kirche Kappeln
und wir als Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) in Kappeln.
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Die Ökumene-Ostangeln ist im Internet zu finden,- erfahre mehr und click' hier: Ökumene-Ostangeln
Ökumenischer Gruß zum Osterfest
„Bei dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre Schwester sowie Maria, die Frau von Klopas, und Maria aus Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er besonders geliebt hatte, sagte er zu seiner Mutter: »Liebe Frau, das ist jetzt dein Sohn!« Dann wandte er sich zu dem Jünger und sagte: »Sieh, das ist jetzt deine Mutter!« Da nahm der Jünger die Mutter Jesu zu sich und sorgte von da an für sie.“ Johannes 19, 25-27
Der Geburtstag der Kirche wird allgemein mit Pfingsten in Verbindung gebracht. Die Ausgießung des Heiligen Geistes, die Gründung der ersten Gemeinde – hier hat sie begonnen, die Kirche. Immer, wenn ich die kleine Szene unter dem Kreuz lese, die das Johannesevangelium uns berichtet, denke ich: „Im Kleinen hat hier schon der Geburtstag der Kirche stattgefunden.“ Jesus stellt Menschen zusammen. Er rückt Maria und einen Jünger zueinander. Unter dem Kreuz finden sie sich. Es werden keine Bekenntnisse abgefragt. Nicht dieselben Erfahrungen mit Jesus verbinden sie. Die beiden haben einen ganz verschiedenen Lebensweg zurückgelegt. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Jesus fügt sie zusammen – das reicht.
Maria gehörte wohl lange nicht zum Jüngerkreis – egal. Später in der Apostelgeschichte wird sie als Teil des Jüngerkreises erwähnt. Jesus weist sie zueinander – in ihrer Unterschiedlichkeit. Jesus sagt zu den beiden: „Übernehmt Verantwortung füreinander. Bleibt nicht allein.“ Unterm Kreuz werden Beziehungen gestiftet – übrigens auf Augenhöhe zwischen Frau und Mann. Unterm Kreuz gibt es keine Hierarchien. Weil der gekreuzigte und auferstandene Christus unser Meister ist. In der Erforschung des Johannes-Evangeliums wurde lang und breit darüber diskutiert, wer der „Lieblingsjünger“ gewesen sein mag. Mir leuchtet am ehesten die Vermutung ein, der Evangelist habe in ihm einen Platzhalter für die Jünger (und Jüngerinnen) späterer Zeiten gesehen.
Die Aussage ist: Ihr steht mit Maria und dem „Lieblingsjünger“ unter dem Kreuz. Hier wird eure Geschichte erzählt. Jesus stellt euch zusammen. Es gibt eine Verbindung, die Christus schafft. Eure verschiedenen Biografien, auch Glaubensbiografien – spannend, wichtig, wert, erzählt zu werden. Aber sie trennen uns nicht. Weil wir auf Augenhöhe unter dem Kreuz stehen. Einer ist unser Meister.
Er sagt uns: „Bleibt nicht bei euch selbst stehen. Seht die anderen, die auf ihre Weise Jesus nachfolgen. Ohne den anderen könnt ihr zwar existieren. Aber ich denke es mir anders.“ Vielleicht kann man sagen, dass unter dem Kreuz nicht nur der Same der Kirche gesät wird, sondern auch der Same der Ökumene.
Mein – zugegeben persönlicher – Eindruck ist, dass gelebte Ökumene in „unseren Kreisen“ eine nachgeordnete Rolle spielt. Wir sind sehr mit unseren eigenen Kirchtümern beschäftigt. Strukturdebatten, Strukturreformen, wie geht es weiter mit unserer Kirche – das braucht Zeit und Kraft. Auch ich als Freikirchler kann ein Lied davon singen. Unser eigenes Programm muss doch weiterlaufen! Die Ökumene? Kommt häufig zu allem anderen noch dazu. Dass dafür dann weder Kraft noch Zeit reichen, leuchtet ein.
Könnte es sein, dass wir dabei übersehen, dass in einer nachchristlichen Gesellschaft eher Zusammenarbeit statt „Jeder für sich“ hilfreich ist?
Könnte es sein, dass auch in Angeln die Weitergabe des Evangeliums glaubwürdiger wäre, wenn wir es stärker gemeinsam täten?
Wenn wir uns nicht dafür rechtfertigen müssen, warum wir etwas gemeinsam tun wollen?
Sondern wir uns rechtfertigen müssen, wenn wir etwas getrennt tun?
In diese Richtung argumentiert übrigens die Charta Oecumenica, ein grundlegendes Papier der europäischen Kirchen von 2001. Im November letzten Jahres wurde sie überarbeitet – ein sehr lesenswertes Dokument.
Jesu stellt uns auch heute zusammen.
Das ist nicht nur eine nette Geschichte. Das beschreibt eine Wirklichkeit. Die Frage ist, ob wir den Mut aufbringen, dieser Wirklichkeit zu vertrauen – und dabei herauskommen aus der Begrenzung auf unsere eigene Kirche. Und dafür auch manche liebgewonnenen Strukturen hinterfragen. Damit wir stärker miteinander unterwegs sind als getrennt.
Das wäre aus meiner Sicht ein österliches Aufbrechen.
Ein gesegnetes Osterfest,
Matthias Lange
(Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kappeln)